In früheren Zeiten war die Benutzung eines Nachttopfes eine Selbstverständlichkeit. Es gab noch keine WC's wie wir sie jetzt kennen und vielerorts war das WC, vielfach auch für mehrere Familien zugänglich, ausserhalb der Wohnung platziert. Nach und nach wurde der Nachttopf durch die Verbreitung der WC's mit Wasserspülung verdrängt. Heute wird der Nachttopf ausser bei Kranken und Kindern nicht mehr benutzt.
Ida Lobsiger, aufgewachsen in Wasen im Emmental, sammelt seit 31 Jahren Nachttöpfe. Nicht einfach weisse, runde Töpfe, nein vielmehr wahre Kunstwerke, an die rund 750 Stück sind es geworden. Fast unwahrscheinlich, die grossartige Ausstattung und Bemalung der Nachttöpfe aus drei Jahrhunderten Geschichte lassen eher Kunstgegenstände vermuten. Und tatsächlich, der eine oder andere Nachttopf verbirgt seine wahre Funktion beim ersten Hinsehen.
Als einen der älteren Gebrauchsgegenstände wird der Nachttopf umschrieben. Auch wenn es bei den Höhlen bewohnenden Vorahnen auch nur ein Stück Rinde oder Blätter waren, mit denen die Notdurft aus dem Bau getragen wurde, so ist im Laufe der Jahrhunderten daraus ein kunstvoll, für die Notdurft fast schon zu kostbarer Gegenstand geworden.
Fasziniert vom Mohnblumen-Dekor erwarb Ida Lobsiger ihren ersten Nachttopf am Donnschtigs-Märit 1978 in Bern. Villeroy & Bloch war der Hersteller dieses ersten Nachttopfes der auch an der Sonderausstellung zu sehen ist. Neben Töpfen aus Zinn, Steingut, Porzellan und Ton wurden in reichen Häusern sogar welche aus Silber und Gold hergestellt. Mit Sprüchen "Wenn du wüsstest was ich sehe" oder am Boden aufgemalte Augen waren in den zurückliegenden Jahrhunderten beliebt. Aber auch kunstvoll in Truhen eingearbeitete oder mit Musikdosen versehene Nachttöpfe waren keine Seltenheit. Wie die Benutzung war auch die Entleerung bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts kein Tabu. Das Entleeren des Nachttopfes auf die Strasse oder in einen freiliegenden Abwasserkanal war selbstverständlich. Sogar als Waffe sei der Nachttopf eingesetzt worden. Venezianische Frauen sollen in einer engen Gasse ihre Behältnisse über einen anschleichenden Verschwörer geleert und ihn so in die Flucht geschlagen haben.
Vom Sammlerfieber wurde Ida Lobsiger schon früh gepackt. Die Mutter von drei erwachsenen Kindern wohnt in Fraubrunnen und leidet, paradox wie sie sagt, an Sauberkeitswahn!
Verpassen Sie also die Gelegenheit nicht, die vielfältige und faszinierende Sonderausstellung im Dorfmuseum Konolfingen-Dorf zu besuchen.
Öffnungszeiten der Sonderausstellung (14.00 Uhr bis 17.00 Uhr)
Kontakttelefon 031 791 18 63
Verein Alter Bären
Dorfmuseum Konolfingen- Dorf
Burgdorfstrasse 85
3510 Konolfingen
Bus Tangento ab Bahnhof bis Konolfingen-Dorf
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